Die eigene Schienenverbindung der Coop für die Stadtlogistik in Zürich, stromlinienförmige Logistikfahrzeuge und die Auslagerung der gesamten OP-Logistik in einer Kooperation zwischen der Klinik Seeschau und der Schweizerischen Post sind die Projekte, die für den diesjährigen Swiss Logistics Award von GS1 in den Endspurt gehen.
Das Projekt «City Cargo Zürich»
Bereits im Vorjahr sorgte das Projekt «City Cargo Zürich» der Coop für die Stadtlogistik für Aufmerksamkeit: Verkaufsstellen in Zürich werden grossflächig und systematisch über das eigene Bahnunternehmen im kombinierten Verkehr beliefert. So wurde der Grossteil der Transporte von der Strasse auf die Bahn verlagert, mit dem Ziel, die Verkehrsbelastung zu reduzieren, Abläufe zu stabilisieren und die CO₂-Äquivalenz-Emissionen deutlich zu senken.
Schiene und Strasse kombiniert
Seit Juni 2025 werden rund 71 Verkaufsstellen über ein kombiniertes System aus Schiene und Strasse versorgt. Ausgangspunkt ist die Verteilzentrale in Schafisheim, wo Wechselbehälter mit ungekühlter, gekühlter und tiefgekühlter Ware beladen werden. Diese werden im Querverlad auf Schienen-Tragwagen umgeschlagen und per Zug über rund 42 km nach Zürich transportiert.
Im neu eröffneten Zürcher Hub erfolgt der Umschlag zurück auf Strassenfahrzeuge für die Feinverteilung. Nur die letzte Meile zu den Verkaufsstellen wird somit auf der Strasse zurückgelegt. Gleichzeitig werden bei der Anlieferung Leergut und Abfälle wie z.B. Verpackungsmaterial, organische Abfälle oder PET-Flaschen aufgenommen und über denselben Weg zurück nach Schafisheim transportiert.

Dort wird in der Leergutzentrale gesammelt und den Recyclingfirmen übergeben. Pro Tag verkehren drei Züge mit insgesamt rund 32 Wechselbehältern zwischen Schafisheim und Zürich. Durch die Verlagerung eines grossen Teils der Transporte auf die Schiene können rein rechnerisch rund 58 000 Lastwagenfahrten eingespart werden. Was zu einer Reduktion der CO₂e-Emissionen von rund 80 Prozent im Vergleich zum reinen Strassentransport führe. Das Projekt basiert auf der Kombination bestehender Logistikprozesse mit neuen technischen Lösungen. Dazu gehören speziell ausgerüstete Fahrzeuge für den schnellen Umschlag der Wechselbehälter sowie das entwickelte «rCE-Powerpack», das während der Zugfahrt Energie für Kühlaggregate erzeugt.
Pflegepersonal entlastet
Viele Kliniken stehen vor einem Paradoxon: Hochqualifiziertes Pflegepersonal verbringt einen erheblichen Teil der Arbeitszeit mit fachfremden Logistiktätigkeiten. Bestellungen, Lagerhaltung, Kommissionierung und Materialdokumentation binden wertvolle Zeit, die am Patientenbett fehlt. Hohe Lagerbestände blockieren Raum und Kapital, während die manuellen Prozesse die Skalierbarkeit der Klinik einschränken.
Die Antwort auf diese Herausforderung findet die Klinik Seeschau in einer radikalen Prozessinnovation in Partnerschaft mit der Schweizerischen Post. Die Klinik lagert die gesamte OP-Logistik aus – vom operativen Einkauf über die Lagerhaltung bis zur Lieferung.
OP-Logistik ausgelagert
Das Herzstück ist die fallbezogene Just-in-time- Belieferung: Für jeden geplanten Eingriff werden individuell zusammengestellte Fallboxen mit Verbrauchsmaterial bereitgestellt. An der OP-Schleuse genügt ein Scan, um sämtliche Artikel digital zu erfassen. Nicht genutztes Material wird zurückgeführt, automatisch erfasst und wieder eingelagert. Die gesamte Prozesskette – von der Bestellung über die Lieferung bis zur Abrechnung – ist digital dokumentiert und eliminiert Medienbrüche.
Durch das neue System werden Fachpersonen massiv entlastet. Denn zuvor verbrachten OP-Mitarbeitende bis zu 30 Prozent ihrer Arbeitszeit mit fachfremden Aufgaben. Zeit, die nun wieder der Patientenversorgung zugutekommt. Gleichzeitig wird Lagerraum frei, wodurch zusätzliche OP-Kapazitäten geschaffen werden konnten, ohne bauliche Veränderungen vorzunehmen.
Mit einem speziellen «Post Health Cockpit» können Bestände in Zukunft in Echtzeit überwacht werden. Ein echter Mehrwert im Gesundheitswesen.
Aerodynamik verbessert
Für Transportunternehmen, die mit steigenden Kraftstoffpreisen und zunehmendem Effizienzdruck konfrontiert sind, sind einfache, wirkungsvolle Lösungen zur Reduktion von Verbrauch und Emissionen besonders gefragt. Das gilt natürlich auch für den Luftwiderstand.
Mit einem auf TELP getauften Strömungselement hat Eiger Mechanics ein kleines, passives aerodynamisches Bauteil entwickelt, das unerwünschte Turbulenzen gezielt glättet und die Strömungsgrenzschicht beeinflusst. Die Elemente lassen sich einfach in einem bestimmten Raster an bestehenden Strömungsflächen wie Lkw-Spoilern montieren. Die Massnahme ist kostengünstig, unkompliziert und erzielt sofort messbare Effekte: Der Luftwiderstand sinkt, der Dieselverbrauch und die CO₂-Emissionen werden reduziert.
Fotos: GS1 / SLA
Die Wirksamkeit des Strömungselements, so heisst es, wurde sowohl durch Numerische Strömungssimulationen (CFD) als auch durch Messungen im realen Strassenverkehr nachgewiesen. Typische Einsparungen liegen demnach zwischen 3 und 10 %. Entsprechend bei einem 40-t-Sattelzug rund 1,3 Liter Diesel pro 100 km. Auf eine Jahresleistung von über 100'000 km hochgerechnet, führt dies zu erheblichen Einsparungen. Bei Flottenanpassungen können Transportunternehmen ihre Betriebskosten deutlich senken, und der ROI liegt typischerweise bei ein bis zwei Jahren.
Gesamtverbrauch hochgerechnet
Das zum Patent angemeldete Strömungselement TELP wirkt selbst im Staudruckbereich zuverlässig. Es reduziert nicht nur den Verbrauch klassischer Diesel-Lkw, sondern ist auch für neue Antriebsformen wie Elektro- und E-Fuel-Fahrzeuge geeignet. Auf die gesamte in der Schweiz registrierte Lkw-Flotte (inkl. Kleintransporter) hochgerechnet, könnte der jährliche Dieselverbrauch um über 180 Mio. Liter sinken, was mehr als 450'000 t CO₂-Emissionen entspräche.

















