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Logistiker: «Meister im Austarieren von Ungewissheiten»

24. April 2026

Vorbei sind die Jahre beliebig ausgedehnter Lieferketten. Globale Just-in-Time-Lieferketten sind heute nur noch eine von vielen Optionen. In Krisenzeiten müssen sie resilienter sein. Mit neuen Führungs-Strategien befasste sich der 20. Logistiktag der Kühne Logistics University (KLU) in Hamburg.

A.Kaplan.

Mehr als 200 Fach- und Führungskräfte diskutierten an der Hochschule der mit ihrem Hauptsitz in Schindellegi beheimateten Kühne Stiftung unter dem Motto «From Disruption to Direction: Leading the Future of Logistics and Supply Chain Management», wie Unternehmen unter Unsicherheit navigieren  können – und welche neuen Führungskompetenzen dafür nötig sind.  «Disruption ist nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm. Unternehmen brauchen Orientierung und  Urteilsvermögen», so Professor Andreas Kaplan, Präsident der KLU, zur Eröffnung.

Störungen sind die Norm

«Logistik war schon  immer gut darin, Zielkonflikte abzuwägen: Geschwindigkeit versus Nachhaltigkeit, Resilienz versus  Effizienz, Automatisierung versus menschliches Urteil. Wenn jemand exzellent aufgestellt ist, in  ungewissen Zeiten zu führen, dann sind es die Verantwortlichen in Logistik- und Supply-Chain-Management.»

KLU Hamburg Tagung1 310 Fotos: J.Konitzki

John Manners-Bell, Gründer der Foundation for Future Supply Chains, London, und CEO von Ti Insight,  skizzierte in seiner Keynote einen Paradigmenwechsel: «Globale Lieferketten haben Millionen aus der  Armut befreit und Wirtschaftswachstum vorangetrieben. Doch das Modell ist unter Druck geraten.  Lieferketten werden zunehmend als politisches Druckmittel eingesetzt.»

Praxisbeispiel Nike

Der Welthandel habe sich durch Protektionismus, Handelskonflikte und geopolitische Spannungen grundlegend verändert. Chinesische  Exporte in die USA sanken 2025 um 29,7 Prozent aufgrund von Zöllen, während Exporte aus Südostasien (ASEAN) um 28,9 Prozent stiegen. «Das ist kein Rückgang des Welthandels, sondern eine  Umverteilung – Unternehmen bauen ihre Lieferketten aktiv um», so Manners-Bell.

KLU Hamburg Tagung Manners Bell 310 J.Manners-Bell.

Ein konkretes Beispiel lieferte der weltgrösste Sportartikelhersteller Nike: Zölle auf chinesische Exporte  verursachten dem Unternehmen rund eine Milliarde Dollar Mehrkosten. Der Anteil der Produktion in  China sinkt bei Nike seit Jahren deutlich, während die Produktion nach Vietnam (50 Prozent der  Schuhe), Indonesien und auf die Philippinen verlagert wird. «Nike hat eine auf fünf Jahre angelegte  Supply-Chain-Transformation gestartet – und steht vor der Wahl Preise zu erhöhen, Produktion in  andere Teile Asiens, in die USA (Reshoring) oder nach Mexiko im Sinne von Near-Sourcing zu verlagern oder die Margen zu senken», so Manners-Bell.

Eine Milliarde an Mehrkosten

Niklas Wilmking, Geschäftsführer der Kühne-Stiftung und ehemaliger Logistikvorstand bei DB Schenker:  «Es geht nicht mehr hauptsächlich darum, Waren effizient zu bewegen, sondern strategische Ziele unter  Unsicherheit umzusetzen. Die besten Führungskräfte werden diejenigen sein, die Verantwortung für  unsichtbare Strukturen und unbequeme Zielkonflikte übernehmen.» Mit Blick auf KI sagt er: «Der  Engpass ist künftig nicht mehr die Rechenleistung, sondern Führung im Sinne von Priorisierung und  Verantwortlichkeit.»

KLU Hamburg Tagung2 310

Der Logistiktag der Kühne Stiftung wird inhaltlich und organisatorisch von der KLU getragen und fand  2026 auf dem Campus Hamburg in Zusammenarbeit mit HELP Logistics und dem Kuehne Climate  Center (KCC) statt. Mehr als 200 Teilnehmende diskutierten beim Tag der Logistik der Kühne-Stiftung in  spezialisierten Sessions über KI in der Supply-Chain-Planung, CO₂ Entnahme-Technologien, humanitäre Logistik und die Rolle von Elektro-Lkw in Afrika.

Über 200 Teilnehmer

Die Kühne-Stiftung ist Trägerin der Kühne Logistics University in Hamburg, fördert Logistiklehrstühle an  renommierten Universitäten und ist auch im Bereich der Humanitären Logistik aktiv. Des Weiteren  engagiert sie sich in grossem Umfang für Medizinprojekte am Standort Davos, Schweiz. Im kulturellen  Bereich unterstützt die Kühne-Stiftung Festspiele, Opern- und Konzerthäuser in verschiedenen europäischen Ländern.

www.kuehne-stiftung.org








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