2007 gewann die deutsche Frauen-Nationalmannschaft die Fussball-WM und Apple präsentierte sein erstes iPhone. Für KWM Weisshaar war das Jahr mit dem Bau einer neuen mehrstöckigen Produktions-Halle mit dem Pufferlager Unigrip von Kasto verbunden. Jetzt stand ein Retrofit an, das reibungslos umgesetzt wurde.

Bei KWM Karl Weisshaar standen die Zeichen in 2007 auf Expansion. «Wir stellten unseren kompletten Materialfluss um und investierten in moderne Produktionsmaschinen und effiziente Lagertechnik», erinnert sich Diplom-Wirtschaftsingenieur Jörg Weisshaar. Er führt gemeinsam mit seinem Vater Karl das Unternehmen in zweiter Generation.
in zweiter Generation
KWM bildet als Allrounder die komplette «Prozesskette Blech» ab: Damit erhalten Kunden vom Engineering über die Blechbearbeitung sowie Schweiss- und Fügeprozesse bis hin zu Montage und Logistik alles aus einer Hand. Neben Stahl verarbeitet der Betrieb auch Edelstahl und Aluminium, insgesamt rund 5000 t pro Jahr.
J.Weisshaar
Karl Weisshaar gründete das Unternehmen 1979 und lieferte in der Anfangszeit beispielsweise Computergehäuse an den PC- und Druckerhersteller Hewlett Packard. «Ein wichtiger Meilenstein war für uns die Entwicklung der Lasertechnik, mit der sich Bleche präzise schneiden lassen und die bis heute dafür sorgt, dass der Werkstoff so populär ist», erklärt Jörg Weisshaar.
Puffer für Halbfabrikate
Das Unternehmen erwirtschaftet mit circa 450 Beschäftigten, rund zehn Prozent davon sind in der Ausbildung, einen jährlichen Umsatz von 50 Mio. Euro. Hauptabsatzmarkt ist die D-A-CH-Region, die wichtigste Branche ist der Schienenfahrzeugbau. Dafür fertigt es nicht nur mechanische Komponenten wie Dachsegmente für Wagenkästen, sondern auch komplette Klimageräte und Batteriecontainer.

Der Blech-Allrounder nutzt nun seit 17 Jahren ein Kasto Uniline mit 13 Ausgabestationen für die Rohstoffe und ein Kasto Unigrip mit drei Ausgabestationen als Pufferlager für Halbfabrikate. Das Unigrip 3.0 bietet 682 Plätze, die Gitterboxen in mehreren Grössen aufnehmen können – von 530 bis 2000 mm Höhe. Die maximale Nutzlast liegt bei drei Tonnen je Kassette. An den Ausgabestationen überwachen Sensoren die Dimensionen der Ladung auf den Platten und stoppen beim Überschreiten der Vorgaben den Betrieb.
Lieferfähig bleiben
«Wir hatten in all den Jahren nur sehr wenige Probleme mit dem Lager», überlegt Holger Guddat, der Wartung und Instandhaltung bei KWM verantwortet. «Die Technik funktioniert ausgezeichnet – das ist für uns immens wichtig, weil bei einem Stillstand die komplette Produktion ruht.» Deswegen lässt das Unternehmen seine Lager regelmässig warten. «Und im Fall der Fälle können wir uns auf die schnelle Hilfe durch Kasto verlassen», berichtet der Instandhaltungsleiter. «Wenn wir einen Fehler melden, kommt meist noch am selben Tag ein Monteur vorbei. Die Ausfälle waren fast immer nach wenigen Stunden behoben.»

Warum dann jetzt das Retrofit? «Kasto machte uns darauf aufmerksam, dass sie die Ersatzteil-Versorgung der 17 Jahre alten elektronischen Komponenten zukünftig nicht vollständig und vor allem zeitnah sicherstellen können», sagt Holger Guddat. «Das würde für uns bedeuten, dass wir länger auf benötigte Bauteile warten müssen und in dieser Zeit nicht fertigen können – ein No-Go für uns.“ Weisshaar ergänzt: «Unsere Kunden arbeiten zum Beispiel just-in-time, nach Kanban oder mit Konsignationslagern. In jedem Fall verlassen sie sich darauf, von uns die benötigten Bauteile zum richtigen Zeitpunkt zu erhalten.“ Da bei vielen Produkten die Endmontage erst erfolgt, wenn der Käufer die Ware abruft, muss das Pufferlager mit den Halbfabrikaten immer einsatzbereit sein.
Alles vorbereitet
Damit war auch schon die Hauptanforderung an das Retrofit definiert: «Es musste schnell gehen, und die Produktion sollte nur geringfügig beeinträchtigt werden. Deshalb erfolgte das Projekt zum Jahreswechsel 2023/2024», berichtet Holger Guddat. Mit eigenen Mitarbeitern bereitete KWM alles vor. Dazu gehörte zum Beispiel, den grossen Schaltschrank des Regalbediengeräts (RBG) in das Lager einzubringen. «Der Kasten war zu gross für den Personenzugang. Wir lösten die Aufgabe mit einem Scherenhubtisch, den wir ins Lager einbrachten und einer der Ausgabestationen, über die wir den alten Schaltschrank aus- und den neuen einfuhren.»
Fotos: Kasto / A1
Zehn Monteure von Kasto erneuerten die komplette Elektrik. Sie tauschten die Schaltschränke inklusive aller Regel- und Steuergeräte aus, ersetzten die Stationsbedienpulte, stellten die Bustechnologie auf Profinet um, modernisierten die Energiezuführung zum RBG und zur Hubtraverse sowie sämtliche Antriebsregler. Sie passten die Sicherheitseinrichtungen wie Endabschaltung für Hubwerk und Längsfahrt, das Notaussystem, die Schutztür sowie die Lichtschranken an aktuelle Vorgaben an.
Hinzu kam das Upgrade des Lagerverwaltungssystems. Über eine Schnittstelle arbeitet Kastologic mit dem ERP-System proALPHA reibungslos zusammen. «Unsere Erfahrungen mit dem Retrofit sind sehr positiv», sind sich Jörg Weisshaar und Holger Guddat einig. «Jetzt sind wir beim Unigrip für die nächsten 17 Jahre wieder gut aufgestellt.»

















